Zu Beginn von Coachings ist Klientinnen und Klienten oftmals noch unbewusst, welches Thema ihren aktuellen Problemen wirklich zugrunde liegt. Daher ist es für ein zielführendes Coaching entscheidend, das Thema hinter dem Thema aufzuspüren, denn dort liegt oftmals die Ursache und Lösung einer aktuellen Situation. So auch im Fall von Frau Schulte*

Die Ausgangssituation der Klientin im Coaching

Frau Schulte*, einst Bereichsleiterin eines großen, international tätigen Unternehmens, schildert in der ersten Coachingsitzung ihre aktuelle Situation, nachdem wir ein telefonisches Vorgespräch geführt hatten.

„Herr Brizzolara, ich muss endlich wieder eine Arbeit finden. So langsam wird meine finanzielle Lage kritisch.“

„Was haben Sie bisher unternommen?“

„Ja, das ist mein Problem. Nichts. Seit fast neun Monaten schaffe ich es nicht, mir Stellenanzeigen anzuschauen, obwohl ich es mir immer wieder vornehme. Vorher war ich als Bereichsleiterin sehr erfolgreich, voller Tatendrang. Das war eine Arbeit, die ich immer gerne gemacht habe.“

„Erzählen Sie doch von Anfang an, was passiert ist.“

„Ich bin von einem Tag auf den anderen vor die Tür gesetzt worden. Ohne Vorwarnung. Das ist passiert. Und das, obwohl ich in dem Unternehmen schon meine Ausbildung absolviert hatte und mich in den folgenden 17 Jahren beruflich kontinuierlich weiterentwickelt und alles gegeben habe.“

„Welche Begründung hat man Ihnen für Ihre Entlassung gegeben?“

„Es lag nicht an meiner Leistung. Es gab einen Wechsel in der Geschäftsführung. Der neue Geschäftsführer hat Leute aus seinem vorherigen Unternehmen mitgenommen, die er nun platzieren wollte. Dieser neue Vorgesetzte sagte mir lapidar, dass die Chemie zwischen uns einfach nicht stimme. Ich solle das nicht persönlich nehmen.“

„Das war sicherlich ein Schock.“

„Klar und was für einer.“

„Hatte sich jemand für Sie eingesetzt?“

„Das war die größte Enttäuschung für mich. Ich hatte eine Art Mentor im Unternehmen, der mich seit meiner Ausbildungszeit kannte und mich auf meinem Weg begleitet hat. Er hat sich nicht für mich eingesetzt. Ich fühlte mich komplett im Stich gelassen. Das hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen.“

„Verstehe. Kennen Sie ein solches Gefühl vielleicht schon aus anderen Situationen in Ihrem Leben?“

Mhm, da muss ich erst überlegen, aber wo Sie mich so fragen, ja, in der Tat.

„Wann zum ersten Mal?“

„Hhm, …, da war ich fünf, als meine Eltern sich getrennt haben und mein Vater mich im Stich gelassen hat. Damals war ich auch wie gelähmt.“

„Dann lassen Sie uns zunächst hier mal genauer schauen. Möglicherweise gibt es einen Zusammenhang zwischen diesem alten Gefühl und Ihrer heutigen Situation. Ok?“

„Ok.“

Das Thema hinter dem Thema

Das Thema hinter dem Thema ist oftmals der Ort, wo die Lösung für das aktuelle Problem zu suchen und zu finden ist. Die scheinbaren Ursachen für ein aktuelles Problem, hier die Kündigung oder die vermisste Unterstützung des Mentors, sind nicht die wirklichen Ursachen. Vielmehr triggern aktuelle Situationen alte Themen und die damit verbundenen Emotionen, Gedanken und Handlungsmuster.

Mit psychodramatischen Interventionen konnte die Klientin ihre Schlüsselsituationen handelnd ergründen, greifbar und damit auch für sich positiv handhabbar machen. Nach sechs Wochen konnte sie zwischen drei Stellenangeboten wählen und hat für sich die richtige Wahl getroffen. Noch heute arbeitet sie dort sehr erfolgreich als Bereichsleiterin.

 

*Name geändert